Mit W Social betritt 2026 eine neue europäische Social-Media-Plattform die Bühne, die sich gezielt als Alternative zu X positioniert. Das Projekt stammt aus Schweden und setzt auf Themen wie digitale Souveränität, Datenschutz und Transparenz – Bereiche, in denen europäische Anbieter zunehmend punkten wollen. Statt sich auf die Infrastruktur großer US-Tech-Konzerne zu verlassen, soll W Social vollständig unter europäischen Datenschutzstandards betrieben werden.

Technisch verfolgt die Plattform einen interessanten Ansatz: Nutzer sollen ihre Identität verifizieren können, um Bots, Fake-Accounts und koordinierte Desinformationskampagnen einzudämmen. Gleichzeitig verspricht W Social, die Kontrolle über persönliche Daten stärker in die Hände der Nutzer zu legen. Begriffe wie „Verified“ und „Values“ spielen dabei eine zentrale Rolle im Selbstverständnis der Plattform.

Ob W Social tatsächlich zur ernsthaften Konkurrenz für X, Bluesky oder Mastodon wird, bleibt abzuwarten. Der Erfolg sozialer Netzwerke hängt schließlich nicht nur von Technologie und Datenschutz ab, sondern vor allem von einer aktiven Community. Dennoch zeigt der Launch, dass Europa zunehmend versucht, eigene digitale Ökosysteme aufzubauen – und damit mehr Unabhängigkeit von den großen Plattformen aus den USA zu gewinnen.

Im Gegensatz zu vielen etablierten sozialen Netzwerken setzt W Social außerdem, nach eigener Aussage, bislang nicht auf umfangreiches Werbetracking oder die Vermarktung von Nutzerdaten. Zwar werden Nutzungs- und technische Metadaten zur Bereitstellung und Absicherung des Dienstes verarbeitet, personalisierte Werbeprofile oder die Weitergabe von Daten an Werbenetzwerke sollen aber nicht stattfinden. Damit verfolgt W Social einen deutlich datenschutzfreundlicheren Ansatz als klassische, werbefinanzierte Social-Media-Plattformen.

Mit der neuen AV-TEST Android Privacy Analysis lassen sich solche Behauptungen leicht überprüfen – was wir natürlich prompt getan haben. Und tatsächlich fällt dabei direkt auf, dass die Versprechungen, die der Betreiber gegeben hat zumindest ernst genommen werden: Zweifellos identifizieren lässt sich insgesamt nur eine einzige Third-Party Tracker-Komponente, nämlich Sentry, welche auch ausschließlich der Analyse und Meldung von Anwendungsabstürzen dient. Im Test konnten wir auch keine Aktivität dieser beobachten, was zusätzlich dafür spricht, dass sie auch wirklich nur aktiv wird, wenn ein Absturz auftritt.

Auch bei der Betrachtung der vorgesehenen Berechtigungen fällt vorerst keine wirkliche Auffälligkeit auf. Die Berechtigung für die exakte Standortbestimmung mittels GPS wird zwar vorgesehen, wo die grobe Bestimmung sicher auch ausreichen würde, so lange dies aber nicht ständig passiert sehen wir darin erst einmal keinen superkritschen Punkt. Zudem konnten wir im Test auch nicht beobachten, dass der Standort überhaupt ermittelt wurde (Über die Anmeldung zur Warteliste sind wir allerdings auch noch nicht hinaus gekommen). Die Datenschutzerklärung verweist im Übrigen nur auf eine Standortermittlung mittels IP. Ein guter Indikator für die werbliche Analyse des Nutzers sind im Bereich der Berechtigungen außerdem auch immer die Anfrage auf Verwendung der Google Adservices sowie der Ad-ID. Beides wird von der W Social App nicht gefordert.

Die Datenschutzerklärung ist ebenfalls sehr detailiert und geht ausführlich auf die wichtigen Punkte der Datensammlung, -verarbeitung und -weitergabe ein. Der Sentry-Tracker, obwohl er nur zur Absturzanalyse dient, könnte unserer Meinung nach explizit erwähnt werden, aber auch das fällt eher unter die Rubrik “Meckern auf hohem Niveau”. Unsere automatische KI-Analyse der Datenschutzerklärung vergibt 82 von 100 möglichen Punkten. Sicher nicht schlecht!

Bei der Analyse der Kommunikation fällt auch ein für uns mittlerweile typischer Formfehler auf: Eine Datenübertragung der App findet auch schon statt bevor der Nutzer überhaupt die Möglichkeit hatte, die Datenschutzerklärung zu lesen und zu bestätigen. Hier wurden keine riesigen Datenmengen übertragen, pedantisch gesehen, ist das aber eben doch nicht 100% GDPR-konform. Außerdem konnten wir Requests beobachten zu Nicht-EU-Servern, etwa zu Google, und auch statische URLs zu US-amerikanischen Servern lassen sich in der App finden.

Insgesamt finden wir, wurde hier wirklich gute Arbeit geleistet und zumindest was die Android-Applikation angeht, sieht es für uns so aus als ob der Entwickler es mit seinen Versprechen auch wirklich ernst meint. Wer sich den Kurzbericht zur W Social App und vielen weiteren Apps, selbst einmal ansehen möchte, kann dies auf der AV-TEST Intelligence Platform AV-ATLAS unter der Rubrik Android Privacy ab sofort tun.